Madrid
Essen in der Nähe der Plaza Mayor, ohne in eine Touristenfalle zu tappen
Kurze Antwort
Iss nicht auf der Plaza Mayor selbst und nicht im Mercado de San Miguel: Beides ist hübsch und völlig überteuert. Lauf fünf Minuten nach La Latina (Calle Cava Baja und Umgebung) oder Richtung Lavapiés, und du isst mit Madrilenen zum halben Preis. Faustregel: Wenn die Karte Fotos hat, in sechs Sprachen ausliegt oder dich jemand von der Tür aus hereinbittet, geh weiter.
Der Fünf-Sekunden-Test für Touristenfallen
- Fotos auf der Karte oder eine laminierte Karte in sechs Sprachen: weitergehen.
- Jemand steht an der Tür und bittet dich herein: weitergehen. Gute Lokale in Madrid haben das nicht nötig.
- Paella und Sangria in großen Buchstaben draußen: weitergehen. Paella kommt aus Valencia, und Madrilenen trinken Bier, Wein oder Wermut, keine Sangria.
- Leer um 14:30 oder um 21:30: weitergehen. Das sind in Spanien die Mittags- und Abendessenszeiten, und ein gutes Lokal ist dann voll.
- Eine kurze handgeschriebene Karte, Spanier an der Theke und Lärm: bleib.
Wohin du stattdessen laufen solltest
Überquere den Platz und geh hinunter nach La Latina. Die Calle Cava Baja ist eine einzige lange Straße voller Tapas-Bars und alter Tavernen; man macht es hier so: ein Getränk und eine Tapa pro Lokal, dann weiterziehen. Am Sonntag nach dem Flohmarkt El Rastro verwandelt sich das ganze Viertel in einen einzigen großen Aperitif. Zehn Minuten weiter südlich gibt es in Lavapiés günstigeres, multikulturelleres Essen und die Terrassen der Calle Argumosa.
Für einen Markt: Lass San Miguel aus und geh zum Mercado de San Fernando in Lavapiés oder zum Mercado de Antón Martín, beides echte Nachbarschaftsmärkte, auf denen die Leute einkaufen und danach an den Ständen essen.
Ein paar berühmte Lokale, die wirklich echt sind
Diese Adressen sind bekannt, und du wirst nicht der einzige Tourist sein, aber sie sind wirklich gut und wirklich alt, und genau deshalb gehen die Einheimischen noch hin. Casa Revuelta, eine Minute vom Platz entfernt, für einen Happen frittierten Kabeljau mit einem kleinen Bier, im Stehen an der Theke. Casa Lucio in der Cava Baja für huevos rotos, die berühmten Spiegeleier auf Pommes. Sobrino de Botín, direkt hinter dem Platz, laut Guinness das älteste Restaurant der Welt, für Spanferkel; reserviere rechtzeitig und nimm es als Klassiker, nicht als Geheimtipp. Für Madrids großen Wintereintopf, den cocido madrileño, heißen die Adressen Malacatín in La Latina (winzig, reservieren) und La Bola, wo er in einzelnen Tontöpfen über Kohle gekocht wird. Nur mittags; cocido isst abends niemand.
Was man hier bestellt
- Bocadillo de calamares: das Sandwich mit frittierten Tintenfischringen, das eigentliche Lokalgericht der Plaza Mayor. Günstig, wird im Stehen gegessen, mit einer caña.
- Huevos rotos, callos (Kutteleintopf, ein Madrider Klassiker), croquetas, tortilla.
- Mittags das menú del día: drei Gänge mit Brot und Getränk zum Festpreis, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Stadt, meist bis etwa 16:00.
- Wermut (vermú) vor dem Mittagessen, vom Fass, mit Oliven oder einer Tapa. Nichts ist madrilenischer als das.
Kurze Fragen
Lohnt sich der Mercado de San Miguel?
Für einen Rundgang wegen des Gebäudes und der Atmosphäre ja, für ein Essen nein. Die Preise liegen beim Zwei- bis Dreifachen einer Nachbarschaftsbar, und die Qualität ist mittelmäßig. Einheimische gehen stattdessen auf die Märkte San Fernando oder Antón Martín.
Wann wird in Madrid zu Mittag und zu Abend gegessen?
Mittagessen zwischen 14:00 und 16:00, Abendessen ab 21:00, am Wochenende oft erst um 22:00. Ein Restaurant, das um 19:00 voll ist, ist voller Touristen.
Muss ich in Madrid Restaurants reservieren?
Bei den berühmten Namen (Botín, Casa Lucio, Malacatín) ja, Tage im Voraus. In Tapas-Bars nie: Man geht rein, drängelt sich an die Theke und bestellt.